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Gewalt in der Familie und unter Jugendlichen

07.10.1999

90 Prozent der Eltern schlagen ihre Kinder. Diese Meldung machte vor kurzem in so gut wie allen Medien Schlagzeilen. Prof. Dr. Max Friedrich, Univ.-Klinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters, Wien, machte sich die Mühe, zu recherchieren, welche Untersuchung überhaupt zu diesem Ergebnis gekommen war. Und er fand heraus, daß ein Journalist für die Meldung die Zahlen einer neun Jahre alten Studie des Familienministeriums verwendet hatte.

Die Nachricht, keineswegs auf dem aktuellen Stand, machte als brandheiße Meldung die Runde. Was vor allem zeigt: Das Thema läßt sich immer "verkaufen", es berührt. Die Politische Akademie griff es nun wieder auf. Unter dem Titel "Krank im Kopf. Wut im Bauch -Gewalt in der Familie und andere Formen gestörten Sozialverhaltens" lud sie im Mai zu einer Veranstaltung. Wie viele Eltern schlagen nun tatsächlich ihre Kinder? Genaue Zahlen sind schwer zu eruieren. "Im Grunde ist es auch egal, ob es 90, 50 oder 10 Prozent der Eltern sind. Jedes geschlagene Kind ist eins zuviel", sagte Friedrich. Und er gab zu bedenken, daß die Kleinen die Welt der Erwachsenen nachleben. Was uns heute fehle, sei eine "Konfliktkultur". Erwachsene wie Kinder hätten es verlernt, Auseinandersetzungen friedlich zu lösen. Die Gewalt nehme, gerade unter Jugendlichen, zu. Friedrich betonte, daß nicht übersehen werden dürfte, daß es neben der körperlichen auch eine psychische Gewalt gebe. Der die Frau oder das Kind schlagende Vater -für dieses Problem macht die Nationalratsabgeordnete Maria Rauch Kallat auch gesellschaftliche Ursachen verantwortlich. Der Streß nehme in unserer Zeit immer mehr zu. "Heute muß jeder Angst um seinen Arbeitsplatz haben", so die Politikerin. Die Medizin hat erst relativ spät die Gewalt in der Familie als ein Thema entdeckt, für das auch sie zuständig ist, merkte Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger, Univ. Salzburg, kritisch an. Die erste Untersuchung zu diesem Thema datiert aus dem Jahr 1962, durchgeführt von zwei amerikanischen Ärzten. Opfer wie Täter von Gewalthandlungen brauchen potentiell therapeutische Hilfe -nicht zuletzt auch ein Kostenfaktor unseres Gesundheitssystems. Das sei immerhin heute schon erkannt.

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